Die schwedische Hauptstadt hat viel zu bieten, doch etwas macht sie ganz besonders: Die U-Bahn in Stockholm, besser gesagt deren Haltestellen, wurden mit ganz besonderen Kunstwerken verziert. Die Gewölbe sind in den strahlendsten Farben gestaltet und spiegeln die Stationen auf einzigartige Art und Weise wider. Erfahre hier, welche Stopps du dir keinesfalls entgehen lassen darfst und wie du von A nach B kommst!

Tuut-tuut: alle einsteigen bitte!

Nein, natürlich tutet die U-Bahn Stockholms nicht, aber ein einzigartiges Erlebnis ist sie trotzdem. Bevor wir uns aber auf die Spuren der tollsten Kunstwerke begeben, möchte ich dir einige allgemeine Informationen mitgeben. Zuerst einmal musst du natürlich die Stationen erkennen: die sind mit einem weißen T (für Tunnelbana) auf blauem Hintergrund gekennzeichnet und eigentlich immer relativ einfach zu finden.

Insgesamt verkehren 3 verschiedene Linien, die sich durch Farben und Nummerierung unterscheiden. Aber Achtung! Du musst immer ein Auge auf die Endstation werfen, denn viele Linien fahren zwar teils dieselbe Route und tragen auch entsprechend dieselbe Nummer, trennen sich aber an einer Haltestelle und fahren von da aus unterschiedliche Ziele an.

Ansonsten funktioniert das System ähnlich wie in vielen anderen Großstädten: du kaufst dir ein Ticket, scannst es an einem Drehkreuz und kannst dann beliebig viele Stopps anfahren. Mein Tipp: ein 75 Minuten Ticket reicht für eine Kunsttour, denn solange du die Stationen nicht verlässt, kannst du auch deutlich mehr Zeit hier verbringen. Am Auslass musst du die Karte nämlich nicht erneut scannen. Willst du die Metro aber auch so nutzen, erfährst du darüber alles in meinem Beitrag über Stockholms öffentliche Verkehrsmittel.

Die Stockholmer U-Bahn-Kunst

Es klingt erst einmal abstrakt und war auch für mich völlig überraschend: U-Bahn-Haltestellen, die mit Kunstwerken gestaltet sind. Doch diese „längste Gallerie“ – wie der Spitzname so schön lautet – gibt es wirklich und sie ist einfach atemberaubend. Viele dieser Stationen scheinen wie Höhleneingänge, sind sie doch einfach aus dem puren Stein geschlagen. Schon allein diese Aufmachung sorgt für ein mystisches Ambiente, welches durch die verschiedenen Malereien und Skulpturen noch verstärkt wird.

Insgesamt sind bis jetzt fast 90% aller Stationen irgendwie gestaltet – mal mehr, mal weniger eindrucksvoll. Gestartet wurde das Projekt übrigens bereits in den 1950ern als die Stadt beschloss, Kunstwerke der Öffentlichkeit leichter zugänglich zu machen. Seither haben mehr als 150 Künstler dazu beigetragen die Stationen in neuen Farben und Facetten zu präsentieren und unterdessen streckt sich diese Galerie über mehr als 110 km!

Eine Rolltreppe wird mit bunten Lichtern bestrahlt

An vielen Haltestellen strahlen die Rolltreppen in regenbogenfarbenen Lichtern

Um diese Kunstwerke wahrlich genießen zu können, ist es natürlich schön nicht von anderen Menschen überrannt zu werden. Und auch wenn die Schweden sehr freundlich und höflich sind, findet man in der Rush Hour kaum den perfekten Schnappschuss. Darum empfehle ich dir, dich um die Mittagszeit aufzumachen. Meist trifft man dann – wenn überhaupt – nur andere Touristen an.

Die rote Linie: zwischen Regenbögen und Wissenschaft

Es ist der Widerspruch unserer modernen Welt: wir wollen Träumer sein und versuchen gleichzeitig jedes Detail zu erklären. Auf der roten Linie (Linie 13 und 14) ist genau das widergespiegelt, denn die Stationen könnten unterschiedlicher kaum sein. Einige Haltestellen, die du dir keinesfalls entgehen lassen solltest, sind:

  • Stadion
  • Tekniska Högskolan
  • Universitet
  • Mörby Centrum

Gleichheit in der Liebe: Stadion

Diese Station zeichnet sich vor allem durch ihre bunten Regenbögen aus. Überall warten sie auf Besucher und bilden ein herrliches Fotomotiv. Doch nicht nur das, auch ihre Botschaft wird laut und deutlich verbreitet: für alle Mensche & gegen Homophobie! Darum ist diese Station auch das Zuhause des Stockholm Pride Festivals.

Während der Regenbogen zwischen den 2 Plattformen das Augenmerk vieler auf sich zieht, hat die Station noch viele weitere, bunte Details zu bieten. So findest du zum Beispiel an einem Ende eine blumenunmrankte Bank. Hier ein Foto zu machen ist immer eine tolle Idee.

Vor einer blauen Höhlenwand steht eine Bank, welche mit gemalten Blumen verziert ist

Es ist nur eines der vielen Fotomotive an der Stadion-Station: die blumenumrankte Bank

So kommst du hin: Wenn du am Hauptbahnhof mit deiner Tour beginnst, brauchst du zirka 10 Minuten bis zu diesem Stopp. Es liegt zwar nur eine Haltestelle dazwischen, aber der Abstand ist doch relativ hoch. Zum Vergleich: zu Fuß bräuchtest du etwa 30 Minuten.

Die Hochschulen: Tekniska Högskolan & Universitet

Die U-Bahn in Stockholm fährt hintereinander gleich zwei Hochschulen an: die royal-technische und die reguläre Universität.

Die Station Tekniska Högskolan wirkt dabei zunächst dunkel und mystisch. Schaut man aber genauer hin, bestaunt man viele Erfindungen und Entdeckungen der Moderne. Ein wenig versteckt, aber keines falls zu verpassen: Newtons Apfel. Du kennst sicher die Geschichte: ein Apfel fiel auf Isaac Newtons Kopf und führte im Endeffekt zu seiner Erkenntnis über die Schwerkraft. Auch diese Frucht hängt also an der Decke – fällt aber hoffentlich auf niemandes Kopf.

Der Apfel hängt an der Decke und ist für Betrachter zur Hälfte zu sehen

Um Newtons Apfel zu entdecken, musst du aufmerksam nach oben schauen

Die Universitet hingegen wird von Fliesen überzogen. Nun spreche (und lese) ich leider kein schwedisch. Nach einiger Recherche stellte sich aber heraus, dass es sich bei den Karten um die Werke des Botanikers und Zoologikers Carl Linnaeus handelt. Zudem ist hier auch die nationale Erklärung der Menschenrechte an die Wand geschrieben – das auch in Englisch. Eine starke Botschaft, findest du nicht auch?

Endstation: Mörby Centrum

Eigentlich ist diese Station ein Fantasieland pur: an den Decken scheint Zuckerwatte zu kleben und alles ist in fröhlichen Pastelltönen gestaltet. Doch ganz besonders ist der Regenbogen an einem der beiden Aufgänge: dieser ist nämlich eine optische Illusion.

Ein Regenbogen aus Fliesen hält eine pastellfarbene Decke

Wer sich hier davor stellt, wird sicher das perfekte Bild schießen!

Während man von der einen Seite nur eher langweilige Blau-Gelb und von der anderen Rot-Grün-Töne erkennt, stellt sich das Gesamtbild von vorn da: ein pastelliger Regenbogen. Der Traum eines jeden Instagrammers für das perfekte Foto wird hier sicher zur Realität!

Die blaue Linie: Abtauchen in die Tiefe

Die blaue Linie trägt die Nummern 10 und 11. Sie verläuft tiefer als die beiden anderen Bahnen und bietet im Sommer auch schnell einmal eine willkommene Abkühlung. Es ist aber auch diese Lage, die sie zu einem besonders mystischen Ort macht. Die verschiedenen Künstler haben hier ganz unterschiedliche Strategien angenommen: mal wollen sie auflockern, mal die Stimmung verstärken. Macht dir selbst ein Bild an folgenden Haltestellen:

  • T-Centralen
  • Solna Centrum
  • Hallonbergen
  • Rådhuset
  • Kungsträdgården
  • Tensta
  • Akalla

Entspannung am Hauptbahnhof: T-Centralen

An der T-Centralen Station der Stockholmer Metro treffen sich alle 3 Linien. Genau darum ist es auch eine der vollsten und geschäftigsten Haltestellen überhaupt. Kein Wunder also, dass es sich der Künstler Per Olof Ultvedt zur Aufgabe machte hier einen Entspannungsbereich zu schaffen.

Die scheinbaren Höhlenwände sind in Blau und Weiß verziert. In der Mitte sieht man den beleuchteten Fahrstuhl der U-Bahn

Entspannung am geschäftigen Hauptbahnhof findet man in den Farben Blau und Weiß

Wenn du dich also tief hinab begibst und immer der Beschilderung in Richtung der blauen Linie (10 und 11) folgst, wirst du dich in einem blau-weißen Paradies wiederfinden. Die scheinbaren Höhlenwände sind mit wundervollen Blättern verziert und strahlen schon aufgrund der Farbwahl eine unglaubliche Ruhe aus.

Die mystische Welt von Rådhuset

In der Nähe des Stockholmer Rathauses liegt die gleichnamige Station. Ebenfalls im Höhlen-Stil wirkt sie vielleicht erst einmal weniger beeindruckend. Doch das täuscht. Guckt man nämlich genauer hin, entdeckt man viele kleine Details wie die Stiefel an der Decke oder die Körbe in der Wand.

Große Steinsäulen scheinen die orangenen Wände zu stützen

Zwischen antiker Baukunst und post-apokalyptischen Charme steht die Station Radhuset

Auffälliger hingegen sind die gigantischen Säulen direkt an der Rolltreppe, die das gesamte Gebilde zu stützen scheinen. Ich kann dir nur empfehlen in diese Station etwas Zeit zu investieren, denn hier verstecken sich viele mittelalterliche Details.

Die grüne Linie

Generell ist die grüne Linie eher alltäglich gestaltet. Doch an vielen Haltestellen gibt der U-Bahn in Stockholm gibt es dennoch einiges zu entdecken. So tauchst du zum Beispiel in Videospiele und Kindheitserinnerungen ein, wenn du diese Stationen besuchst:

  • Thorildsplan
  • Odenplan
  • Hötroget

Einmal Real Life eintauschen: Thorildsplan

Okay, okay, ich gebe es ja zu: innerlich bin ich ein kleiner Nerd. Aufgewachsen bin ich mit den Klassikern: Pacman, Mario und klar Windows-Spiele wie Minesweeper. Unterdessen gehören diese zwar nicht mehr ganz zu meinem Alltag und wurden durch neuere Modelle eingetauscht, aber einmal in die Welt dieser Games einzutauchen, ist doch ein wahrgewordener Traum.

Mit Fliesen ist der Geist aus Pacman und ein Herz gestaltet

Die Geister aus Pacman schweben um dich an dieser Station – kannst du ihnen entkommen?

Und genau das kannst du an der Thorildsplan Station der U-Bahn in Stockholm tun. Denn hier wurde mit Fliesen Pixelart nachgestellt. An den Wänden begegnest du den Geistern aus und auch Pacman selbst. Direkt daneben tauchst du ab in die Welt von Super Mario – kannst du den Speed-Pilz selbst aufsammeln?

Die Linie des Lebens: Odenplan

Eine der modernsten Installationen findest du in Odenplan. Fährst du nämlich mit der Rolltreppe wirst du über die leuchtende LEDs entdecken, die scheinbar einen Herzschlag widerspiegeln. Kein Wunder, denn daran sind sie auch angelehnt. Genauer sind sie eine Nachbildung des Herzschlags vom Sohn des Künstlers David Svensson. Passend trägt dieses Kunstwerk auch den Namen „Life Line“ – also die Lebenslinie. Kaum eine Haltestelle bringt so viel Bedeutung mit sich wie diese.

Die U-Bahn Stockholms: nicht nur zur Fortbewegung

Klar, du kannst die Stockholmer Metro rein zum Fortbewegen nutzen, aber schau dabei zumindest ein wenig aus dem Fenster. Denn wie du unterdessen sicherlich festgestellt hast, gibt es hier eine Menge Wunder zu entdecken. Am besten ist darum eine ausführliche Tour durch die Stationen – natürlich gibt es die auch geführt, aber das braucht es eigentlich gar nicht. Nimm dir lieber die Zeit, die du wirklich brauchst!