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Strahlende Sonne, blauer Himmel, bunte Blätter und gut gelaunte Menschen – das war der erste Eindruck, den ich von der dänischen Hauptstadt hatte als ich im September 2013 ankam. Die Stadt zeigte sich von ihrer allerbesten Seite und ich bin seitdem begeisterter Kopenhagen-Fan.

Die Sehenswürdigkeiten der Stadt

Kopenhagen ist eine Fahrradstadt. Was lag demnach näher als eine Citytour mit dem Rad zu buchen? Bereits Zuhause buchte ich eine Tour bei “Copenhagen Bicycles”. Die Tour startete bei bestem Wetter direkt am Verleihbüro am Nyhavn. Gleich vorweg: Die zur Verfügung gestellten Fahrräder waren von guter Qualität, bestens gepflegt und fuhren sich sehr leicht. Unser Guide hieß Peter und war ein südländisches, dänisches Original, eine Mischung aus Hippie und Rockmusiker und ein perfekter Tourguide. Er wusste zu allem etwas zu erzählen, hatte immer eine Story auf Lager und hat uns Kopenhagen mit allergrößter Begeisterung gezeigt. Dabei hatte Peter immer die Ruhe weg und nicht ständig die Uhr im Blick! Die Tour war in Englisch, was kein Problem darstellt, da die Dänen alle ausgezeichnetes, hervorragend zu verstehendes Englisch sprechen.
Fazit: Diese Citytour kann ich nur empfehlen!

Nyhavn

Der “neue Hafen” ist ein zentraler Hafen in Kopenhagen und bietet mit den angrenzenden, farbenfrohen Giebelhäusern einen bildschönen Anblick. Als Hafen hat der Nyhavn aber nie wirklich große Bedeutung erlangt, da er immer zu klein und zu flach war. Doch hier finden sich zahlreiche Restaurants und Kneipen, wobei man aber bedenken sollte, dass hier ein deutlicher Touristenaufschlag gezahlt wird. Es kann auch passieren, dass man anstehen muss, um in ein Restaurant zu gelangen. Das Flair ist dafür sehr charmant und besonders bei schönem Wetter kann man vielfach auch draußen sitzen.
Fazit: Unbedingt ansehen!

eine Gruppe Touristen schaart sich um eine Figur.

Die kleine Meerjungfrau! Wahrzeichen von Kopenhagen und Magnet für Touristen.

Die kleine Meerjungfrau

Nach der Märchenfigur von Hans Christian Andersens “Die kleine Meerjungfrau” entwarf der Kopenhagener Bildhauer Edvard Erisken die 1,25m kleine Statue. Am 23. August 1913 wurde die Figur am Wasser eingeweiht. Für das Gesicht verwendete der Bildhauer als Vorlage die Konturen der damals gefeierten Kopenhagener Primaballerina Ellen Price; für den Körper stand seine Frau Eline Modell.
Wenn man die kleine Meerjungfrau sehen möchte, sollte man wild entschlossen sein entweder früh genug aufzustehen oder sich durch die sie umlagernden Menschenmassen zu boxen. Obwohl die kleine Statue etwas abschüssig am Wasser steht und mitnichten direkt am Weg liegt, klettern alle Menschen begeistert zu ihr hinunter. Sie sieht aber auch wirklich reizend aus und bei knallblauem Himmel und Sonne ist der Auslug dorthin mehr als lohnenswert.

Das Kastell von Kopenhagen. Fünfsternige Anlage auf einem der wenigen Hügelchen in Kopenhagen. Da meint man fast aus der Puste zu kommen!

Das Kastell von Kopenhagen. Fünfsternige Anlage auf einem der wenigen Hügelchen in Kopenhagen. Da meint man fast aus der Puste zu kommen!

Schloss Amalienborg

Die Kopenhagener Stadtresidenz der dänischen Königin Margarethe II. befindet sich bis heute im Besitz der Königsfamilie. Wie auch andernorts üblich, wir die Anwesenheit der Königin mit einer gehissten Standarte angezeigt. Man kann das Palais Moltke, welches zum Schloss gehört, besichtigen, worauf ich verzichtet habe. Der Schlossplatz mitsamt Amalienborg ist ohnehin schon einen Blick wert.

Schloss Rosenborg

Das Schloss im Königsgarten blickt auf eine lange Geschichte seit 1606 zurück. Der umliegende Park wir von den Kopenhagenern rege genutzt und bietet einen schönen Ausblick auf das Schloss. Die Sammlung von Juwelen im Keller ist freilich interessant, aber nicht übermäßig beeindruckend, wenn man das Dresdner Neue und Historische Grüne Gewölbe kennt.
Viel spannender ist es, Schloss Rosenborg von innen zu besichtigen. Das hat folgenden Grund: Das Schloss wurde nur bis 1710 als königliche Residenz genutzt und diente danach als eine Art köngliche Rumpelkammer. Im Jahr 1833 entschloss sich Friedrich der VI. Schloss Rosenborg mit all seinen Sammlungen in ein Museum umzuwandeln. Und das ist hochinteressant! Es wirkt unglaublich vollgestopft mit Accessoires, Möbeln und Scherzartikeln für adelige Events. Bestes Beispiel ist ein Lehnstuhl, der über einen komplizierten Mechanismus den Sitzenden durchnässt.

weiß gekalkte Wände umgeben einen gepflasterten Weg im Turm

Der Rundetårn – der Schneckenaufgang zur Aussichtsplattform. Wunderbar hell, breit und angenehm zu laufen. Man hat immer wieder Ausblicke aus den seitlichen Fenstern.

Der Rundetaarn

Dieser “runde Turm” ist eines der ältesten noch funktionsfähigen Observatorien; wird aber mittlerweile nur noch von Amateurastronomen genutzt. Ungewöhnlich ist der Aufgang zur Aussichtsplattform: Über einen breiten Schneckengang mit hoher Decke, ohne Stufen, führt der Weg 209m nach oben und windet sich dabei 7,5 Mal um den Kern des Turms. Mit einer Höhe von 34,8 m hat man einen weiten Blick über ganz Kopenhagen. Dank einer überkopfhohen Sicherung und einem extrem breiten Umlauf, ist der Rundetaarn auf für Menschen mit einer gesunden Skepsis gegenüber solch hoch gelegenen Orten geeignet. Da Bänke aufgestellt sind, kann man bei klarem Wetter den Blick bis auf die Öresundbrücke genießen. Auf dem angenehmen Weg nach oben kommt man außerdem an einem Bibliothekssaal und diversen Ausstellungen vorbei.
Fazit: Hervorragender Blick über Kopenhagen mit einem entspannten Aufgang und einer schönen Aussichtsplattform. Keine engen, merkwürdigen Gitterrostwendeltreppen!
Natürlich gibt es noch viel mehr zu sehen in Kopenhagen wie beispielsweise das Kastell, die vielen kleinen Straßen und Gassen, die Universität und diverse Kirchen. Besonders die Vor-Frelser-Kirche mit ihrer außenliegenden Wendeltreppe können Fans der luftigen Höhen sicher gut ins Programm aufnehmen.

ein romantischer Kanal in Kopenhagen

Cristianshavn, kurz vor der Freistadt Cristiania. Romantische Kanäle in Kopenhagen.

Die Freistadt Cristiania

Dieser Teil von Kopenhagen ist anders. Peter, unser Tourguide, bestand darauf, dass wir uns Christiania unbedingt ansehen müssten und machte uns mehrfach energisch darauf aufmerksam, dass Fotografieren verboten ist und Konsequenzen haben könnte. Zusammen mit den vielen Verbotsschildern hat mich das zu dem Schluss gebracht, dass ich tatsächlich auf Fotos verzichte, was sehr schade ist.
Zusammengefasst aus meiner Sicht ist Cristiana eine Hippiesiedlung, die konsequent Cannabisrauch ausdampft. Wem also vom Grasgeruch nicht wohler wird, der sollte auf einen Besuch verzichten! Cristiania existiert seit 1971 als staatlich geduldete autonome Gemeinde in Kopenhagen. Die Freistadt liegt auf einem etwa 34 Hektar großen Gebiet und besteht aus 15 kleineren Gebieten. Interessant ist, dass es zwar Häuser und Häuschen gibt, aber die ganze Fläche sehr grün und naturbelassen ist. Es wirkt wirklich wie eine alte Hippiegemeinschaft, zumal noch recht viele Graffiti hinzu kommen und es recht bunt ist. In ganz Cristiania herrscht Autoverbot!

ein unscheinbarer Durchgang zwischen zwei Häusern führt nach Cristiania


Einer der Eingänge zur Freistadt Cristiania in Kopenhagen. Innerhalb der autonomen geduldeten Gemeinde gibt es ein leider ein Fotoverbot.

Die Pusherstreet in Cristiania

Für die Cristianiter ist Cannabis eine legale Droge wie Alkohol oder Nikotin. Harte Drogen sind dagegen in der Freistadt verboten. Auf der so genannten Pusherstreet wird Marihuana von zig Händlern offen und in diversen Ausführungen angeboten. Offenbar gibt es hinreichend Unterschiede in Qualität, Herkunft und Geschmack, sodass der Markt boomt und ganz offensichtlich einer der Gründe für das Fotoverbot ist. Man stelle sich eine Straße mit einigen Abzweigungen und Gebäuden vor, die man locker 10 Minuten entlang schlendern könnte, wenn sie nicht beidseitig voll mit Verkaufsständen und interessierten Kunden, Einwohnern und Touristen wäre. Und es gibt dort so gut wie nur Cannabis an jedem Stand. Da es ein schöner Spätsommertag war, war in Cristiania etwa soviel los wie im Freibad im Hochsommer und die erworbenen pflanzlichen Stoffe wurden offenbar gleich verraucht, was zu einer beständigen Cannabiswolke auf dem gesamten Gelände führte.
Fazit: Ein interessanter Einblick in eine überlebende Kultur aus den 1960ern und 1970ern. Sollte man aber besser mit Guide besuchen und währendessen nicht zu tief einatmen.

Auto, Fahrrad, Bus, Bahn oder zu Fuß?

Fahrrad natürlich!

In Kopenhagen fährt man Fahrrad. Die Diskussion stellt sich gar nicht erst. Was den Deutschen das Auto, ist den Dänen in Kopenhagen ihr Rad. Es wird wirklich fast alles damit transportiert, da die unterschiedlichsten Arte von Rädern in der dänischen Hauptstadt zu finden sind. So gibt es unter anderem Lastenfahrräder, die über eine recht große Transportladefläche vor dem Lenker verfügen, so dass schwere und sperrige Güter bequem transportiert werden können. Auch Kinder werden eher in fixen Sitzkisten vor dem Fahrradlenker mitgenommen als in den in Deutschland üblichen KidsCar Anhängern.
In Kopenhagen ist das Fahren mit dem Rad auch sehr einfach. Es gibt in fast jeder Straße separat abgegrenzte, breite Radspuren, die zudem über eine eigene, bevorzugte Ampelschaltung verfügen. Und es herrscht eigentlich fast immer Rush Hour auf diesen Radwegen. Obacht ist also geboten! So sind in der Stadt gefühlt mehr Radfahrer unterwegs als Autofahrer. Es gibt auch an jeder zweiten Ecke einen Fahrradladen. Luft raus aus dem Reifen? Kein Problem, es gibt fast überall öffentlich nutzbare Luftpumpen!
Was allerdings ein Problem werden kann, ist der Stellplatz für das Rad. Wenn man etwas Pech hat, dann findet man sein Gefährt nach einiger Zeit in einem Pulk drumherum abgestellter Räder wieder und darf dann Mikado spielen.
Das Radfahren ist wirklich einfach in Kopenhagen – Berge und Steigungen gibt es nicht und wenn man ein gutes Fahrrad erwischt beim Ausleihen, rollt es sich fast von alleine!

Bus und Bahn

Beides ist mir nicht wirklich aufgefallen in dieser Woche. Bushaltestellen gibt es natürlich und demnach werden wohl auch welche fahren. Eine Straßenbahn habe ich jedoch nicht gesehen in der Innenstadt.

Autofahren in Kopenhagen

Das ist praktisch überflüssig, wenn man sich als Tourist nur im Innenstadtbereich aufhält, da man nur Probleme bekommt, das Auto abzustellen.

Zu Fuß unterwegs?

Man kann vieles auch sehr gut erlaufen in Kopenhagen. Freilich habe ich das nur den ersten halben Tag getan, da es wesentlich praktischer ist, sich im Hotel ein Rad auszuleihen. So kann man ganz einfach den ganzen Tag in der City unterwegs sein und größere Strecken bequem zurücklegen.

Kulinarische Besonderheiten

Das Café Oskar

Das nette Lokal am Bredgade 58 in der Nähe des Nyhavn und Schloss Amalienborgs ist in der Woche in Kopenhagen mein Stammcafé geworden. Und das aus einem sehr triftigen Grund: Es gibt dort hervorragende Snacks, ein geniales Frühstück und einen der besten Latte Macchiatos, die ich je getrunken habe. Besonders das Cheese-Omlette und die Smörrebröd sind absolut empfehlenswert! Das Publikum ist recht gemischt, zumal es ein Treffpunkt für Schwule ist. Wie in fast jedem Restaurant in Kopenhagen gibt es auch im Café Oskar Free Wifi; der Zuganscode ist meist auf der Speisekarte zu finden. Nette Überraschung: Die Preise sind moderater als im nahe gelegenen Nyhavn, da deutliche weniger Touristen hier vorbeikommen.

offener Raum der Universitätsbibliothek Kopenhagen

Universitätsbibliothek – hier drin liegt das Fünf-Sterne-Restaurant Søren K

Soeren k – Restaurant im Schwarzen Diamanten der Königlichen Bibliothek

Fünf Michelin Sterne kann das Restaurant soeren k in einer ungewöhnlichen Location präsentieren. Meine Erwartungshaltung war entsprechend groß.
Das französische Restaurant befindet sich ebenerdig, sodass man durch die Glasfront einen zauberhaften Blick direkt auf den Hafen hat. Ich war abends da und habe während des Essens die Sonne untergehen sehen. Auch ansonsten ist die Atmosphäre ganz wunderbar im soeren k.
Leider sind die Wartezeiten zwischen den einzelnen Gängen recht lang. Das Highlight des Menüs wurde direkt zu Beginn mit den Vorspeisen serviert. Da es bereits eine Weile her ist, kann ich nur noch sagen, dass es sich um Pilze handelte, von denen ich wohl sehr gerne noch mehr verzehrt hätte. Als Hauptgang hatte ich ein Ribeyesteak mit herbstlichem Gemüsebeilagen bestellt. Nun ist ein Ribeyesteak kein Filetstück, aber bedauerlicherweise war es derartig sehnig und schlecht pariert, dass es fast ungenießbar war! Ein Zufall war es nicht, da meine Begleitung dasselbe Problem hatte. Für ein Fünf-Sterne-Restaurant sehr enttäuschend! Die servierten Muscheln waren außerdem sehr sandig. Das restliche Menü entsprach aber soweit meinen Erwartungen. Besonders positiv hervorzuheben ist aber noch die Weinkarte!

Das Flair von Kopenhagen

Die Dänen sind unglaublich nette, offene Menschen. In der Stadt bin ich außerdem ausgezeichnet zurecht gekommen, da wirklich alle ein hervorragendes Englisch sprechen. Bereitwillig und ungefragt haben mir verschiedene Kopenhagener erzählt, dass sie das sicher darauf zurückführen, dass Filme in der Regel in Englisch gezeigt werden. Außerdem kann man das Dänisch brockenhaft lesen, da es vom Schriftbild dem Deutschen nicht unähnlich ist. Obwohl ich wusste, dass die Stadt nicht ganz günstig ist, war ich doch verblüfft wie kostenintensiv ein Trip tatsächlich ist. Restaurants, Bars und Supermärkte sind verglichen mit deutschen Preisen, richtig teuer!
Kopenhagen selbst ist eine wirklich bildschöne Stadt mit viel Grün und vor allem viel Wasserflächen um und in der Stadt. Dank der vielen Radfahrer wirkt es auch nicht so hektisch wie in einer autoaffineren Stadt. In der Innenstadt gibt es auch einen digitalen Zähler, der die an dieser Stelle pro Tag vorbeikommenden Radfahrer zählt! Man ist also auch etwas stolz darauf. Die Stadt wirkt frisch, ungezwungen und offen. Kopenhagen werde ich ganz sicher wieder besuchen.