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Vor wenigen Wochen ereilte mich die Nachricht, in Berlin hätte ein Computerspielmuseum seine Pforten geöffnet. Für mich als ehemaligen Zocker und Organisator von LAN-Partys, war diese Information natürlich sofort damit verbunden, mir einen Besuch des Museums auf meiner To-Do Liste zu vermerken. Ein Museum welches sich nur mit Computerspielen beschäftigt, dies fehlte noch in der Museumslandschaft der Computermuseen. Doch welche Besucher besuchen ein solches Museum?

Ob Junge oder Mädchen – jeder will spielen

Ich war überrascht wie vielfältig der Besucherstrom war, der sich durch das kleine Museum bewegte. Von Jung bis Alt, von Mädchen bis Jungen, von Singles bis Familien, alles war vertreten. Natürlich war der Anteil der männlichen Besucher etwas höher. Doch dies wundert auch nicht, denn schließlich waren Computerspiele vor vielen Jahren vor allem ein von Jungs dominierter Bereich. Eine der ersten Übersichten, die mir deswegen auch sofort ins Auge stachen, war die Altersstruktur der spielenden Bevölkerung. Ihr Hauptanteil lag bei den 10 bis 16 Jährigen und anschließend bei den 29 bis 35 Jährigen. Dazwischen senkte sich der Wert in Zeiten der Pubertät erheblich ab und stieg ab 21 wieder allmählich an. Diese Übersicht zeigt eins sehr deutlich, das Thema Computerspiele durchdringt unsere Gesellschaft immer mehr.

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Dies spiegelten auch die bereits erwähnten Besucher des Museums wieder. Computerspiele sind kein Phänomen mehr, welches man nur jungen Menschen zuordnen kann. Computerspiele werden auch von Menschen im mittleren und sogar im hohen Alter gespielt. Und dies zunehmend. Ein Beispiel dafür war auch ein Videobericht in dem Museum über eine Seniorenmeisterschaft im Bowling, die allerdings auf einer Wii-Konsole in einem Altersheim durchgeführt wurde. Die Begeisterung der Senioren war überwältigend und eine der beteiligten Ergotherapeuten lobte den Vorteil von solchen Aktionen. Das Computerspielmuseum in Berlin ist voll von solchen Beispielen. Auf mehreren kleinen Displays kann man immer zwischen zwei oder vier verschiedenen Filmbeiträgen wählen. Die Auswahl erfolgt, wie es sich gehört, über einen Joystick.

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Thomas Gottschalk und Videospiele in den 70ern

Einer der Beiträge, der sofort ins Auge sticht, ist ein Fernsehmitschnitt aus den 70ern mit Thomas Gottschalk. In diesem animierte Thomas Gottschalk sein Publikum dazu, ein interaktives Videospiel per Sprachsteuerung zu bedienen, welches in einem allgemeinem „Aaah“ und „Oooh“ der anwesenden Senioren endete. Die kleinen Tafeln mit den übersichtlichen Informationen, die sich gut verteilt in der Nähe von solchen Beiträgen befinden, liefern weitere Fakten. Überhaupt wurde das gesamte Computerspielmuseum mit einem spielerischen Touch versehen. Überall kann man immer wieder mit Hilfe von Joysticks bestimmte Dinge aktivieren oder sich an einen der alten Arcade Automaten austoben, unter anderem auch dem Poly Play aus der DDR. Auch moderne Videospiele befinden sich in dem Museum im Einsatz, wie zum Beispiel eines der ersten 3D Spiele, welches erst 2008 erschien.

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In kleinen Blöcken, die an Pixel erinnern, werden die verschiedensten Entwicklungen der Computerspiele von Beginn an beleuchtet. Dazwischen befinden sich immer wieder Schaukästen in denen alte Konsolen, alte Eingabegeräte oder Dokumente lagern, wie zum Beispiel eine  Postkarte, über die man früher eine Fernpartie Schach in der DDR spielen konnte. Eine interessante Alternative zu den fehlenden Telefonanschlüssen in der DDR. Ein weiteres Beispiel ist der erste 3D Shooter Battlezone aus dem Jahr 1980, der in dem Museum gezeigt wird und heute nur noch ein Lächeln ins Gesicht zaubert, wenn man sich die grafischen Möglichkeiten der 80ziger ansieht. Durch die Fülle der Informationen wundert es auch nicht, wenn die Zeit in diesen kleinen Ausstellungsräumen wie im Flug vergeht. Will man sich alle Informationen durchlesen, sollte man zwischen zwei bis vier Stunden einplanen.

Das Computerspielemuseum entwickelt sich weiter

Trotz alledem hat das Computerspielemuseum in Berlin noch jede Menge Potential. Zum Beispiel der Bereich Computerspielsucht, der nur auf einer Tafel abgehandelt wird, könnte einen eigenen weiteren Bereich erhalten. Auch die Entwicklung der KI von Computerspielen wurde nur nebenbei abgehandelt. Der LANP-Party Bereich kam überhaupt nicht zur Geltung, obwohl dieser maßgeblich an der Entwicklung von Multiplayerspielen beteiligt war. Auch der sich derzeit entwickelnde E-Sport Bereich könnte noch weiter ausgebaut werden. Die neuzeitlichen Browsergames dagegen fanden in der Ausstellung keine Berücksichtigung. Berücksichtigt man allerdings dabei, dass das Museum erst im Januar 2011 eröffnete, dann könnte dem Museum noch eine glorreiche Zukunft bevorstehen. Möglichkeiten dafür gibt es, wie bereits erwähnt, genügend.

Weitere Infos unter: http://www.computerspielemuseum.de