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Eine dunkle sandige Farbe überzieht das gesamte Gelände, welches ich gerade betreten habe. Guedelon heißt dieser etwas merkwürdig anmutende Ort an dem man nicht weiß ob man sich jetzt im 13. Jahrhundert oder in einem neuzeitlichen Museum befindet. Zwischen den einfach gekleideten Menschen, die von Staub bedeckt sind, huschen unzählige Kinder und Jugendliche umher. Sie lachen, rennen um die Wette oder sitzen einfach nur staunend auf einer Bank, während sie den Erzählungen der Menschen lauschen die an diesem Ort leben.

guedelon

Der Innenhof der Burg in Guedelon

Gewerke beim Burgbau im Mittelalter

In Guedelon erlebt man am lebenden Beispiel wie es gewesen sein muss als unsere Vorfahren auf die Idee kamen, aus Lehm, Burgen zu errichten. Die Bauzeit der neuen Burg in Guedelon ist mit 25 Jahren angesetzt. Der Grund für diese lange Bauzeit ist, die Burg soll nur mit den Methoden erbaut werden die auch im 13. Jahrhundert existierten. Einzig die Schutzhandschuhe, die Atemschutzmasken und hier und da ein paar Plastikschläuche zeugen davon, ich befinde mich immer noch im 21. Jahrhundert.

Kran aus dem Mittelalter

Der Kran auf der Baustelle entspricht seinen Verwandten aus dem 13. Jahrhundert. Angetrieben wird dieser durch Muskelkraft. In zwei Rädern, die an überdimensionale Hamsterräder erinnern, können zwei Menschen den Kran bewegen. Ein Dritter sorgt dafür, dass der Kran geschwenkt und notfalls auch blockiert werden kann. Unterhalb des Krans brüllen ein paar Jungs zu den menschlichen Hamstern „plus vite“ hinauf. Sie scheinen ihren Spaß zu haben, während die Beiden im Kran sich an den Mittelsteg klammern.

steinmetz mittelalter

Ein Steinmetz bearbeitet Steine für den Bau der Burg

Der Steinbruch

Gleich neben der Burg befindet sich ein Steinbruch. Steinmetze bearbeiten unweit davon die heraus gebrochenen Steine mit Hammer und Meißel. Immer wieder blickt der Steinmetz auf. Obwohl sich die Sonne heute nur zögerlich zeigt, läuft ihm der Schweiß von der Stirn. Wie lange man wohl dafür benötigt, einen dieser Steine in die richtige Form zu bringen?

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Holzfäller im Mittelater in Guedelon

Sägewerk

Nicht anders ergeht es den beiden Holzfällern, die hinter der Burg gleich neben dem Wald ihr Domizil aufgeschlagen haben. Mit kräftigen Bewegungen zersägen sie einen Baumstamm. Dunkel entsinne ich mich, ein ähnliches Spektakel erlebt man hierzulande auch zu Hochzeiten, nur mit dem Unterschied, nach einem Baumstamm ist das Spektakel vorbei. Hier scheint es jedoch noch ein paar Stunden weiterzugehen, denn ein Helfer hebt bereits den nächsten Baumstamm auf einen der selbstgezimmerten Holzböcke.

ziegelei mittelalter

Ziegelei: So wurden Ziegel im Mittelalter aus Lehm hergestellt

Ziegelbrennerei

An den meisten Stellen komme ich aus dem Staunen nicht heraus. Immer wieder sag ich zu mir „Ach so wird dies gemacht“, wie zum Beispiel auch bei der Herstellung der Dachziegel. Hätte mich vor wenigen Wochen jemand danach gefragt, wie man diese selber herstellen kann, ich hätte keine Antwort darauf geben können. Dabei liegt das Geheimnis in einem Klumpen Lehm, einen Holzrahmen und einem altmodischen Brennofen, der einem Erdhügel gleicht.

Technologie und Verteidigung im Mittelalter

holznagel

Mit diesen Nägeln aus Holz, werden Konstruktionen verankert.

Holznägel

Überhaupt findet man auf der Baustelle nur selten Eisenverbindungen. Kein Wunder, denn Eisen wurde zu dieser Zeit nur für die Dinge eingesetzt wo es unumgänglich war. Vor allem Werkzeuge wurden aus Eisen hergestellt. Die Brücke, über die man in die Burg gelangt, ist aus diesem Grund auch mit Holznägeln befestigt. Bisher hielt sie dem Besuchern und den tobenden Kindern stand. Und ich gehe davon aus, dies wird auch noch in den nächsten Jahrzehnten der Fall sein.

wehranlage motte mittelalter

Eine Wehranlage, auch Motte genannt, welche den Bau der Burg absichern sollte

Wehranlage – Die Motte

Guedelon ist Geschichte zum Anfassen. Sogar an die Motte, einer kleinen Wehranlage mit einem Wachturm, wurde gedacht, obwohl man doch heute keine Überfälle mehr zu befürchten hat. Doch wer weiß was die Zukunft bringt. Denn schließlich soll es in Frankreich unterdessen auch erste Wettbewerbe in Tribok-Weitschuss geben. Ob die Burg einen dieser mittelalterlichen Belagerungswaffen standhalten könnte?

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Guedelon

Guedelon für Kinder

Ob die Burg in Guedelon jedoch bis 2023 wie geplant fertig wird, darf man heute schon bezweifeln. Schließlich verbringen die Handwerker auf der Baustelle viel Zeit mit den Schulklassen, die täglich auf der Baustelle eintreffen. Sie erklären welche Werkzeuge für was eingesetzt werden und beziehen die Kinder aktiv in das Geschehen ein. In einfachen Hütten können die Kinder zudem selber Hand anlegen und unter anderem in Granit ihre Initialen einmeißeln. Sozusagen ein kostenfreies Souvenir von der Baustelle.

Öffnungszeiten und Preise

Öffnungszeiten

Guedelon ist vom 16. März bis zum 3. November 2015 geöffnet.

16. März bis 31. März10.00 Uhr bis 17.30 Uhr
Mittwoch, Samstag und Sonntag geschlossen
1. April bis 30. Juni10.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Mittwoch den 1. und 8.April geschlossen
1.Juli bis 31.August10.00 Uhr bis 19.00 Uhr
1. September bis 3. November10.00 Uhr bis 17.30 Uhr
Mittwochs geschlossen

Mittagspause: 13.00 Uhr bis 14.00 Uhr. In der Zeit ist Guedelon geöffnet, aber es wird nicht gearbeitet.

Letzter Einlass: Eine Stunde vor Schließung

Eintrittspreise

Erwachsene: 12 €
Kinder 5 bis 17 Jahre: 10 €
Kinder bis 5 Jahre : Eintritt frei

Ermäßigter Eintritt nach Vorlage eines entsprechenden Ausweises für Behinderte, Arbeitslose, Studenten im Alter von 18 bis 25 Jahre und kinderreiche Familien

Erwachsene: 10 €
Kinder 5 bis 17 Jahre: 8,50 €

Weitere Schlösser und Burgen in Frankreich

Doku über Guedelon

Guedelon, eine Baustelle wie im Mittelalter

Verweise und Links:

wikipedia.org
www.guedelon.fr