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Als ich gefragt wurde, ob ich etwas über dieses Foto in einem Gastbeitrag erzählen könnte, stimmte ich natürlich zu. Das Foto zeigt die berühmte Felsenwand am Berg Iwadonosan, der in der Präfektur Yamanashi/Japan liegt.

In meinem frisch gekauften Wanderführer stieß ich auf Fotos von diesem Berg. Sofort musste ich dort hinfahren!

Anfang Juni fuhr ich also zum Bahnhof Otsuki und stieg von dort einen steilen Pfad bis zur 634 m hohen Spitze des Berges Iwadonosan hinauf. Etwas außer Atem setze ich mich auf eine Bank und genoss die Aussicht auf den Fujisan, den höchsten Berg Japans.

Auf dem Gipfel stehen große Tafeln, die mich über die traurige Geschichte des Berges informieren: Im 16. Jahrhundert baute auf dem Berg der Takeda Klan eine stattliche Burg, die über nur wenige Zugänge erreichbar war, und damit einfach zu verteidigen war. Sie lag strategisch günstig und diente als Rauch-Signal- und Kommunikationsnetzwerk-Zentrum. Im Jahre 1582 erlag Takeda Katsuyori gegnerischen Streifkräften und ersuchte Zuflucht in seiner Burg. Doch Oyamada, der Verantwortliche der Burg, lies seinen Herr nicht hinein. Takeda war niedergeschmettert und floh zum Nachbarberg. Dort beging er aus Verzweiflung Selbstmord. Oyamada wurde später für das Verraten seines Herrn hingerichtet. Die Burg übernahm danach der berühmte Tokugawa Klan. Im 17. Jahrhundert wurde die Burg aufgegeben und verfiel langsam. Heute sieht man nur noch wenige Spuren.

Mit dieser traurigen Geschichte verlasse ich das Burggelände und spaziere weiter über den Felsenkamm. Ich steige Felsen hinauf und herunter, während ich über die Geschichte nachdenke. Sie lässt mich nicht mehr los. Warum liess er seinen verzweifelten Herrn nicht in die Burg?

Dann muss ich mich doch plötzlich konzentrieren: Vor mir liegt eine steile Stelle, die ich hinauf muss. Nach zwei Versuchen gebe ich auf, da meine Höhenangst mich überwältigt, und nehme lieber die Ausweichroute. Doch auch diese führt mich über steile Felsen. Irgendwie reiße ich mich zusammen und bezwinge mit klopfendem Herzen dieses Hindernis. Endlich auf der anderen Seite angekommen, trinke ich meine halbe Trinkflasche leer, um mich etwas zu beruhigen. Nie wieder!
Iwadonosan

Wenige Minuten später stehe ich auf einmal vor einer riesigen Felsenwand. Von oben höre ich „Echo“-Rufe und winzige Menschen winken mir zu. Die ganzen Strapazen sind sofort vergessen! Freudig erwidere ich deren Gruß und schieße das obige Foto.

Der Anblick ist einfach klasse! Begeistert folge ich dem Wanderweg, bis ich ebenfalls am Abhang stehe. Ich muss meinen ganzen Mut zusammenkratzen, um nicht in die Tiefe zu schauen. Grünen Bergketten reichen bis in die Kanto-Ebene. Beeindruckt verlasse ich diesen Ort. Dann steige ich einen schmalen Pfad hinab und stehe wieder vor dem Bahnhof Otsuki.

Das war einer der bisher schönsten und interessantesten Wanderungen, die ich je in Japan gewandert bin. Und glaubt mir, seit ich in Japan wohne, bin ich schon auf einigen Bergen unterwegs gewesen! Den ausführlichen Bericht findet ihr hier.

Über die Autorin:

WanderWeib TessaWanderWeib – Wandern in Japan

Mein Name ist Tessa und ich lebe seit 2012 in Tokio/Japan. Im Anschluss an mein Informatikstudium habe ich einige Praktika in Japan absolviert, bei denen ich die japanische Kultur kennengelernt habe. Ich entschied mich ganz in Japan zu bleiben.
Letztes Jahr entdeckte ich das Wandern für mich und fing an, die japanischen Berge zu erforschen. Bei den Vorbereitungen zu meinen Wandertouren fiel mir auf, dass es ausschließlich Bücher und Seiten auf Japanisch gibt, die Wandertouren beschreiben. Aus diesem Grund fing ich an, meine Touren auf Deutsch in meinem Blog WanderWeib zu veröffentlichen. Neben den Wanderungen gibt es außerdem zahlreiche Kulturtipps.

Besucht mich doch einfach unter wanderweib.de!