Vom Südwesten nach Nordosten wird Malta von einer geologischen Verwerfung durchzogen, die man ab dem siebzehnten Jahrhundert zur Verteidigung der Insel nutzen wollte. 1722 begannen die Ritter des Malteserordens mit dem bruchstückhaften Ausbau des natürlichen Schutzwalls. Sie verstärkten die Felswände mit Mauern und errichteten Unterkünfte für ihre Soldaten, um Feinde abwehren zu können. Doch die Feuertaufe blieb aus. Nach und nach geriet die Anlage in Vergessenheit und erst 1990 rückte sie erneut in das Bewusstsein der Bevölkerung. Einen Teil dieses Bauwerkes kann man heute wieder besichtigen und auf diesem wandern. Der am Besten erhaltene Abschnitt der Victoria Line ist die Dwejra Lines, ein knapp zwei Kilometer langer Pfad, der sich auf die Stadt Mosta zu bewegt.

Reste einer Mauer auf der Victoria Lines.

Reste einer Mauer auf der Victoria Lines.

Die Victoria Line: Weltkulturerbe seit 1990

Man sollte schon wissen wonach man sucht, wenn man den Einstieg zur Dwejra Lines nicht verpassen möchte, denn kämpft man sich von Rabat aus zur Anlage vor, wird man Hinweise auf den Schutzwall schmerzlich vermissen. Auch der Großteil der Einheimischen kann mit diesem Abschnitt der Anlage nichts anfangen. Kein Wunder, denn vor zwanzig Jahren wussten die wenigsten Malteser überhaupt etwas von diesem Bauwerk. Stattdessen dachten die Bauern, bei den noch vorhandenen Mauerresten, handelt es sich um alte Feldmauern. Nachdem 1990 die UNESCO die Anlage in das Weltkulturerbe aufnahm, rückte sie erneut in das Bewusstsein der Menschen. In der Zwischenzeit soll Malta einige Anstrengungen unternommen haben, die Befestigung wieder in einen ordentlichen Zustand zu versetzen. Was ich allerdings sah, glich an vielen Stellen mehr einer Mülldeponie, statt einem UNESCO-Weltkulturerbe.

Wanderweg abseits des Wallpfades auf der Dwejra Lines

Wanderweg abseits des Wallpfades auf der Dwejra Lines

2 Kilometer Wanderweg auf der Victoria Line auf Malta

Einen Besuch ist die Anlage trotz aller Verschmutzungen trotzdem wert. Insgesamt bewegt man sich knapp zwei Kilometer auf dem ehemaligen Wall. Der Einstieg zum Weg befindet sich kurz vor dem Ortsschild „Mgarr“ Zum Beginn betritt man eine alte Wehrmauer. Auch hier zeigt sich, der Zahn der Zeit ging nicht spurlos an dem Bauwerk vorbei. Die Wege sind zerfallen, Stufen sind abgebrochen oder fehlen gänzlich. Diese ersten Schritte auf der Anlage gleichen mehr einer Expedition in einen verlassenen Teil dieser Welt, statt auf einer Insel mit der größten Bevölkerungsdichte Europas. Wenige hundert Meter nach dem Einstieg, befindet man sich auf einem breiten Feldweg, der von zerfallenen Gebäuden geziert wird. Immer wieder trifft man auch auf alte Geschützstellungen, auf denen die Briten im 19.Jahrhundert Kanonen befestigten. Alte Metallringe auf einer ebenen Fläche zeugen von dieser Verteidigung. Man könnte diesen Feldweg bis zum Ende der Dwejra Lines folgen und würde dabei das eigentliche Highlight verpassen. Denn je nachdem von welcher Richtung aus man die Anlage betritt, gibt es entweder ein Hinweisschild auf den Wallweg oder man muss diesen mit etwas Glück finden.

Reste einer Geschützstellung auf der Victoria Lines

Reste einer Geschützstellung auf der Victoria Lines

Wandern auf einem Wallweg mit Ausblick auf Mosta

Auf dem Wallweg erhält man eine wunderschöne Aussicht über den gesamten Nordwestteil von Malta, hinüber bis zur Insel Gozo. Man versteht an diesem Punkt sehr schnell, was die Ritter damals dazu bewog, diese Linie auszubauen. Denn wenn Feinde von dieser Seite aus, auf der Insel landen sollten, konnte man sich bereits mehrere Stunden vorher auf deren Eintreffen vorbereiten. Der Pfad der sich auf dem Wallweg entlang schlängelt, gibt zudem weitere Einblicke in die Baufertigkeit der Ritter des Malteserordens. Entlang eines Grabens, der zusätzlich als Barriere diente, findet man diverse kleine Durchgänge, die sicherlich für kurze schnelle Angriffe geplant waren. Heute kann man den Schutzgraben nicht mehr begehen. Die vormals angelegten Durchgänge wurden zugemauert und Pflanzen und Bäume sind die einzigen Lebewesen, welche es jemals schafften, den Graben in Besitz zu nehmen. Doch dies stört wenig, denn jeder Schritt auf dem Wall ist ein wahrer Augenschmaus. Und am Ende der Dwejra Lines wird man zudem noch mit einem herrlichen Blick in Richtung Mosta mit seinem berühmten Dom belohnt.

Alte römische Katakomben am Beginn der Dwejra Lines auf Malta

Alte römische Katakomben am Beginn der Dwejra Lines auf Malta

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Einstieg zur Dwejra Lines an einer kleinen Kapelle

Ich kann nur jedem empfehlen, sich diesen Abschnitt der Victoria Lines an einem sonnigen Tag anzusehen. Für Lauffreudige empfiehlt sich der Start in Rabat mit anschließender Wanderung in Richtung Mgarr. Ungefähr in der Mitte zwischen diesen beiden Orten, vor einer alten Kapelle, geht es auf die Dwejra Lines. Am Ende des Weges weißt ein Schild auf die Stadt Mosta hin, die man anschließend noch in seine Planung aufnehmen kann. Oder man wandert den Feldweg zum Ausgangspunkt der Lines zurück. Für diese Tour sollte man ungefähr drei Stunden einplanen. Für Laufmüde empfiehlt es sich, mit einem Auto oder einem Taxi bis zur besagten Kapelle zu fahren, da keine Busse an einen der beiden Startpunkte vorbei kommen. Anschließend kann man die Dwejra Lines in knapp einer Stunde als Rundwanderung begehen und gelangt somit immer zu seinem Ausgangspunkt zurück.

Weitere Bilder von der Victoria Line

 

Wandern auf Malta im Video – Die Victoria Line