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Das Stockholmer Wetter spielt leider nicht jedem Besucher so mit wie man es wohl gern hätte. Doch auch bei kleinen Schauern und Eiseskälte hat die Metropole im Norden Europas einige Schätze zu bieten. Ich verrate dir darum in diesem Beitrag, was du in Stockholm bei Regen erleben kannst und wie du dich zu diesen 5 Sehenswürdigkeiten findest.

Das Wetter in Stockholm

Die schwedische Hauptstadt liegt – über mehrere Inseln verteilt – an der Ostsee. Durch ihre Wassernähe werden Temperaturschwankungen über den Verlauf des Jahre deutlich eingegrenzt, denn das Meer speichert die Wärme bzw. auch die Kälte. Das bedeutet zwar zum einen, dass hier im Sommer nur selten die 30°CMarke geknackt wird. Zum anderen heißt es aber auch, dass die Winter gar nicht so kalt werden, wie man zunächst so hoch im Norden vermuten mag.

Jedoch zeigt sich der Niederschlag über das ganze Jahr verteilt gleichmäßig. So viel wie es im Winter schneit, regnet es im Sommer in der Regel auch. Auch dieses Phänomen liegt in der Nähe zur Ostsee begründet. Denn wandern die Wolken über die gigantischen Wassermassen, nehmen sie viel Feuchtigkeit auf, die sie dann beim Treffen auf Land entleeren.

Für uns Touristen bedeutet das, dass wir auf keinen Fall den Schirm und die Regenjacke zu Hause vergessen sollten. Zudem empfiehlt es sich, Pläne für diesen Fall zu schmieden – schließlich will man wohl kaum komplett durchnässt durch die Gassen Gamla Stans streifen. Doch Stockholm hat sich genau für diese Situation einiges einfallen lassen und bietet im Stadtgebiet zum Beispiel über 700 Museen.

Die Tragödie eines Schiffes: Vasa-Museum

In jedem Reiseführer und wahrscheinlich allen Reiseberichten der Stadt liest man über das Vasa-Museum. Ein absolutes Muss, wenn man sie bereist und eine Ausstellung der ganz besonderen Art sei es. Immer wenn ich solche Beschreibungen lese, werde ich ein wenig hellhörig, denn oft werden die eigenen Erwartungen dann doch nicht ganz erfüllt – in diesem Fall war das etwas anders. Dieses Schiff musst du nicht nur in einem Stockholm bei Regen gesehen haben!

Ein lang verschollenes Wrack

Okay, was ist eigentlich das Vasa-Museum und warum solltest du es dir nicht entgehen lassen? Im Grunde wird hier in einer riesigen Halle ein altes Wrack ausgestellt. Die Vasa – ein Segelschiff, welches im 17. Jahrhundert für die schwedische Königsfamilie gebaut wurde – steht hier im Fokus der Aufmerksamkeit.

Dabei wurde sie nicht etwa in Einzelteile zerlegt und im Museum wiederaufgebaut, sondern vielmehr wurden die gigantischen Hallen um das Schiff herum errichtet. Nun kann man das einst pompöse, farbig gestaltete Boot hier von allen Seiten betrachten. Und keine Frage – es ist durchaus immer noch sehr eindrucksvoll. Hunderte kleine Schnitzereien zieren die Außenwände und zeigen die typisch schwedische Detailverliebtheit.

Das Bug der Vasa – eines lange verschollenen Wracks – wird im Licht des Museums erstrahlt

Das Museum rund um die Vasa ist mystisch gestaltet und nur die wichtigen Details werden überhaupt beleuchtet

In den angrenzenden Räumen erfährst du dann noch mehr über das legendenumwobene Schiff. So wird zum Beispiel seine Signifikanz für die königliche Flotte und seine ursprüngliche Form dargestellt. Auch wird näher auf die Besatzung im einzelnen, aber auch die Marine im Ganzen eingegangen. Es ist also ein Museum sowohl für große, als auch für kleine Abenteurer.

Die Vasa Stockholm – warum gesunken?

Doch die wichtigste Frage, mit der man sich hier beschäftigt, ist die Ursache für das Untergehen der Vasa. Schließlich hatte es das pompöse Schiff nicht einmal 1000 m aus seinem Heimathafen herausgeschafft, bevor es unterging. Nicht unähnlich der Titanic kenterte es so schon auf seiner Jungfernfahrt.

Der Grund dafür scheint ein fataler Designfehler zu sein – für seine Größe hatte das Segelschiff viel zu wenig Tiefgang um sicher durch die Meere zu gleiten. Es war zu schmal und neigte dadurch schon bei geringem Wellengang und leichtem Wind zum Kippen. So dauerte es also auch nicht lange bis Wasser zu den Luken hereindrang und die Vasa auf den Meeresgrund sank.

So kommst du hin

Das Vasa-Museum liegt gemeinsam mit vielen anderen Ausstellungen auf der Insel Djungården. Diese kannst du entweder ganz bequem zu Fuß aus der Innenstadt erreichen oder du nimmst aus der Altstadt die Fähre. Das Schöne an der letzten Variante ist natürlich auch der Blick auf die umliegende Metropole, die in ihren tausenden Farben erstrahlt.

Wenn der Regen zwischendurch einmal nachlassen sollte, dann lohnt es sich auf jeden Fall im Anschluss auch die Insel selbst ein wenig zu erkunden. Hier befindet sich nämlich unter anderem das Freilichtmuseum Skansen und eine herrliche Parkanlage, die gerade im Sommer immer liebevoll bepflanzt wird.

Faszinierende Wissenschaft: das Nobelpreis-Museum

Mitten in der Altstadt und direkt vor der Nikolaikirche liegt das Nobelpreis-Museum in Stockholm. Hier an einem der bekanntesten Plätze der Stadt – dem Stortorget – kannst du in die Geschichte des historischen Preises eintauchen und seine Gewinner näher kennenlernen. Auch über den Gründer Alfred Nobel gibt es hier einiges zu lernen. Jede Stunde finden zudem kostenlose Führungen auf Englisch statt, denen du dich unkompliziert anschließen kannst.

Aber auch ohne Guide ist das Museum einfach faszinierend. Über den Besuchern läuft eine Liste mit allen Nobelpreisträgern entlang, auf der auch deren Verdienste beschrieben stehen. Zudem findest du hier für viele dieser Gewinner Gegenstände, die sie nach eigenen Angaben inspiriert haben und sie in Ihren Forschungen, Werken und Bemühungen vorantrieben.

In einem kleinen Kino wird dir außerdem mehr über die Zeremonien erzählt und näher auf die Geschichten der letzten Nominierten eingegangen. Wahrlich spektakuläre Informationen, die du sonst nirgends bekommst. Und wenn dir das noch nicht reicht, dann kannst du auch die Wechselausstellung anschauen. Als wir da waren, stand gerade zum Beispiel Martin Luther King Jr. im Vordergrund – eine bewegende Geschichte, die ihn zum Friedensnobelpreisträger machte. In jedem Fall ist dieses Museum einen Besuch wert!

Ein neuer Blickwinkel: Moderna Museet

Stockholm bei Regen bedeutet nicht gleich, dass du unbedingt Geld ausgeben musst. Wenn du also nur ein kleines Budget hast und trotzdem einiges sehen willst, kann ich dir nur das Moderna Museet ans Herz legen! Mitten auf Skeppsholmen ist es kaum zu übersehen, denn auch draußen sind meist schon Skulpturen aufgestellt.

Eine abstrakte Skulptur in bunten Farben ist umgeben von Bäumen installiert

Schon aus der Ferne konnte man das Moderna Museet anhand der abstrakten Skulpturen erkennen

Im Gegensatz zu vielen anderen Ausstellungen der modernen Kunst widmet man sich hier einem greifbareren Thema. So beginnt die Ausstellung zum Beispiel mit schwedischen Videospielen und bringt einem dann die Architektur des Landes näher. Beides ist auf sehr interessante und schöne Weise dargestellt. Zudem können Besucher noch verschiedene Zeitausstellungen im unteren Teil besuchen. So konnten wir uns zum Beispiel der multimedialen Künstlerin Sharon Hayes widmen.

Auch eine Spezialausstellung ist zu jeder Zeit zugänglich, jedoch muss man für diese extra Eintritt bezahlen. Wir haben das nicht getan – nicht, weil wir sie nicht interessant fanden, sondern eher, weil wir schon so viele Eindrücke bekommen hatten. Hast du jedoch die Zeit, ist es sicherlich auch herrlich dieses Museum gleich zweimal aufzusuchen.

Einmal das royale Leben kennenlernen: der Königspalast

Schweden ist dafür bekannt, dass es auch heute noch von einer königlichen Familie geleitet wird. Natürlich muss es für diese auch eine Residenz in der Hauptstadt geben und auch die liegt in Gamla Stan. Am besten erreichst du ihn, wenn du die Strömbron- oder Norrbro-Brücke von der Innenstadt aus überquerst. So läufst du nämlich direkt auf den gigantischen Palast zu.

Der Königspalast in Stockholm von der gegenüberliegenden Uferseite

Von außen wirkt er doch eher schlicht, doch die inneren Werte sind ja bekanntlich die entscheidenden

Das Stockholmer Schloss – ein royaler Unterstand

Wenn es gerade in Strömen regnet, gibt es kaum einen besseren Ort um sich unterzustellen. Schon wenn man die Eingangshalle betritt, fühlt man sich ein bisschen wie in einer anderen Welt – alles glänzt in Goldtönen und intensiven Farben. Die Wände sind mit unzähligen Gemälden verziert und der Boden mit einem royalblauen Teppich ausgelegt. Selbst die Decke des schwedischen Königshauses erstrahlt in den verschiedensten Farben.

Wie du dir also sicher vorstellen kannst, gibt es hier eine Menge zu gucken. In dem von Nicodemus Tessin im 18. Jahrhundert designten Palast befinden sich über 600 Räume. Nur ein Teil davon ist natürlich der Öffentlichkeit zugänglich, aber auch so kann man hier gut und gern mehrere Stunden staunend zubringen.

Eine Treppe im Stockholmer Königspalast

Mit viel Detailreichtum und in voller Symmetrie sind viele Räume im Palast gestaltet

Vor allem der Raum mit den Kronjuwelen längst vergangener Generationen war unglaublich beeindruckend. Und auch der Thronsaal versetzte uns zurück in eine völlig fremde Zeit und eine Welt, die wir wohl nie ganz verstehen werden. Mein Fazit: Ich würde hier keinesfalls wohnen wollen, aber einen Besuch ist der royale Palast auf jeden Fall wert!

Wachablösung in Stockholm – wann sieht man sie?

Natürlich sind auch vor dem Schloss der schwedischen Königsfamilie Wachen platziert – ähnlich wie man es zum Beispiel auch vom Buckingham Palace kennt. Sie stehen steif vor ihren kleinen Wachhäuschen und tragen die traditionelle Uniform. Während man sich hier gern ein kleines Foto stehlen darf – solange man nicht innerhalb des abgegrenzten Bereichs tritt –, ist es noch etwas anderes eine Wachablösung zu beobachten.

In einstudierten Dreier-Konstellationen kommen hier die neuen Wachen im Gleichschritt an und verkünden für die Frühschicht den Feierabend. Diese Zeremonie findet an den Wochentagen immer zwischen 12 Uhr und 12:30 Uhr statt. Am Sonntag dann eine Stunde später.

Die perfekte schwedische Pause: Fika

„Die Kunst des Kaffeetrinkens“ ist eine wichtige Tradition im schwedischen Alltag. Kein Wunder also, dass sie auch ihren eigenen Namen bekommen hat. Fika ist dabei vielleicht im entferntesten mit einer Siesta zu vergleichen. Doch hier geht es nicht nur ums Erholen, sondern spezifisch ums Kaffeetrinken und Kuchen – spezifischer Zimtschnecken – Essen. Gerade in Stockholm bei Regen ist das eine wunderbare Variante um sich unterzustellen bzw. zu -setzen.

Ein Café trägt den Namen Fika. Daneben hängen 2 Schweden-Fahnen

Es ist nur eines der vielen Cafés in denen man sich zu einer gleichnamigen Kaffeepause niederlassen kann

Fast jeder Schwede nimmt tagtäglich an diesem Ritual teil, denn es ist nicht nur Teil der Kultur, sondern auch das Recht eines jeden Arbeitnehmers. Es ist auf jeden Fall nicht verkehrt, sich auch als Tourist eine Fika zu gönnen – schließlich kann das ständige Erkunden und die vielen Eindrücke auch schnell einmal sehr anstrengend werden. Setze dich also einfach in einen der vielen Coffee Shops, mache es dir gemütlich und lasse die Erlebnisse des Tages einmal Revue passieren.

Noch mehr Tipps für Stockholm bei Regen

Wir hatten das Glück, dass das Wetter sich für einen Großteil der Zeit sehr gut gehalten hat. Dennoch hatten wir noch einige weitere Pläne für Stockholm bei Regen, die ich dir mit auf den Weg geben möchte. Gerade im Winter bieten diese auch eine herrliche Möglichkeit der Kälte zu entkommen.

So ist zum Beispiel das Rathaus nicht nur von außen, sondern auch von innen sehr hübsch anzusehen. Zudem finden sich in der Stadt viele Kirchen, die nicht nur vielzählig, sondern auch vielseitig sind. Schon allein in Gamla Stan kannst du eine deutsche, finnische und natürlich die Riddarhomeskyrkan mit ihrem schwarzen Dach besuchen.

Vor der Kulisse Stockholms steht eine Halle im Fabrikstil. Darin befindet sich die Fotografiska

Die Ausstellung der Fotografie liegt direkt am Wasser und lässt sich leicht zu Fuß erreichen

Auch ein tolles Erlebnis ist Stockholm bei Regen ist es die U-Bahn aufzusuchen, denn hier wurden einige Stationen ganz besonders gestaltet – mehr darüber verrate ich dir im Beitrag über die Metro-Kunst! Ebenfalls soll das ABBA-Museum auf Djungården wahrlich einzigartig sein – als Souvenir kannst du hier sogar dein eigenes Musikvideo drehen. Oder du suchst die Fotografiska, eine einzigartige Fotoausstellung im Stadtteil Södermalm auf. Alles in allem wirst du auf jeden Fall immer etwas zu tun haben!