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Budapest und Wien gelten noch heute als Heimat der berühmten Kaffeehäuser, denen so manche philosophische Idee entsprang und die Habermas als Bereich der öffentlichen Sphäre bezeichnete. Da ich zudem eine begeisterte Kaffeetrinkerin und Café-Besucherin bin, entschließe ich mich, meinen frisch gebackenen Bachelorabschluss in Budapests Cafés zu begießen – mit ganz viel Kaffee, Tee und Limonade!

International, hell und freundlich: Das Zoska

Meine kleine Cafétour starte ich in direkter Nähe zu einer großen Metrostation – Astoria. Trotz anfänglicher Verwirrungen – und einem kleinen Zusatzspaziergang die Straße rauf und wieder runter – finde ich das erste Café auf meiner Route schnell: Das Zoska liegt etwas versteckt in einer Seitenstrasse und versprüht einen sehr jungen Charme. Schon um diese Uhrzeit – ich komme um ca. 11 Uhr zur Cafétür herein – sind die gemütlichen Tischchen im zusammengewürfelten Wohnzimmer-Stil gut besetzt und aus einer der Ecken dringt sogar eine deutsche Unterhaltung an mein Ohr. Die Wände sind geschmückt mit Bücherregalen und in hellen Weiß- bzw. Beige-Tönen gehalten. Besonders freut es mich, dass die Karte auch auf Englisch zu haben ist – keine Seltenheit wie ich bald feststellen darf – und dass es die Möglichkeit gibt, meinen Cappuccino auch mit Soja- bzw. Mandelmilch zu bekommen. In dieser angenehm international-studentischen Umgebung fühle ich mich mehr als wohl und genieße meinen Start in den Tag, auch wenn das Wetter draußen alles andere als gute Laune macht.

Café Zoska -Flair zwischen Bücherregalen

Das Zoska liegt ein bisschen versteckt in einer Nebenstraße.

Stärkung für leere Mägen: Das Spinoza

Die nächste Station auf meiner Liste wäre eigentlich das Spinoza gewesen. Es entpuppt sich aber eher als Restaurant mit Bildern auf der außen hängenden Speisekarte, die ebenfalls in Englisch übersetzt ist. Da ich noch keinen Mittagessenshunger verspüre und außerdem von solch touristischen Restaurants lieber Abstand halte, entscheide ich mich dazu, direkt zum Printa weiter zu gehen. Eine gute Idee wie sich zeigen soll!

Synagoge in Budapest

Auf dem Weg vom Zoska zum Printa : Die Budapester Synagoge

Kunstdruck und Kaffee: Das Printa

Das Printa ist eine Mischung aus Galerie, Café und Design-Shop, von dem ich bereits in einigen anderen Blogs gelesen hatte. Somit waren die Erwartungen relativ hoch – und werden nicht enttäuscht. Zwar serviert man hier den Kaffee bzw. Tee, da ich für einen zweiten Kaffee noch nicht in Stimmung war, in schlichten, dickwandigen Tassen und das kleine Getränkeangebot wird nicht wie im Zoska durch lecker aussehende Kuchen ergänzt, aber dafür sitzt man mitten im Geschehen der Galerie. So hatte ich viel Zeit die ausgefallenen Design-Produkte bei meinem grünen Tee zu begutachten. Ihre Preise sind für Ungarn ziemlich hoch, für ein T-Shirt mit Kunstdruck darauf kann man hier gut und gerne 20 € ausgeben. Deshalb halte ich mich lieber an den Tee, der auch hier nur 400 Forint (ca. 1,30 €) kostet und genieße die ansprechende, ausgefallene Deko in schlichten Farben und modernem, klaren Design.

Kunstdruck-Café Printa

Im Printa dreht sich alles um Kunstdrucke.

Wichtig zu erwähnen ist vielleicht auch, dass ich nun endlich den Namen des Cafés verstehe: Im Printa dreht sich alles um Prints – also Kunstdrucke. Sie werden entweder auf Papier oder auf Stoffe gedruckt, verkauft und wer möchte kann sogar einen Blick in die offene Werkstatt werfen, die direkt an den Verkaufsraum angrenzt.

Leider keinen Kuchen, dafür aber umso mehr zu schauen: Das Szimpla

Vielleicht gerade weil es im Printa keinen Kuchen gab, überfällt mich nun ein unglaublicher Kuchen-Hunger! Na dann mal auf, zur nächsten Location auf der Liste: Das Szimpla. Es gehört zu Budapests legendären Abrissbars – und machte prompt von außen einen etwas herunter gekommenen Eindruck.

Das Szimpla von außen

Abriss-Fassade des Café Szimpla

Beim Eintreten durch einen Vorhang aus Plastikstreifen muss ich zugeben, dass mir doch etwas mulmig zumute ist. Immerhin bin ich allein unterwegs und wusste so gar nicht, was mich dahinter erwartet. Doch wie meistens zeigt sich, dass der mutige Schritt vorwärts belohnt wird: Mit einem Haus voll von Kunst, Bars, einem Shishaladen und – leider noch geschlossenen – Cafés. Meinen Kuchenhunger würde ich hier also um diese Uhrzeit (ca. 13 Uhr) noch nicht stillen können.

Bar im Szimpla

Eine der Bars im Szimpla

Doch die vielen, bezaubernden Details und das faszinierende Flair der Räume und des großen Hinterhofs entschädigen mich vielfach dafür. Für einen Moment vergesse ich hier sogar mein eigentliches Anliegen, den Kuchen, und konzentrierte mich nur noch auf die Räume und meine Kamera. Wer das Berliner Tacheles noch kennt, wird verstehen, welchen Flair die Räume trotz der wenigen Menschen zur Mittagszeit verbreiteten.

Kunst Szimpla

Kunst im Hinterhof des Szimpla

Nachdem ich etwas durch das Szimpla gewandert bin und einige Fotos geschossen habe, meldet sich mein Magen wieder zu Wort und da ich auf dem Weg hierher an einem netten Eck-Café mit Kuchenangebot vorbeigekommen bin, machte ich mich auf den Weg, den dortigen Käsekuchen zu probieren.

Französisches Flair und leckeren Kuchen: Das á table!

Aus diesem Plan wird aber schon wieder nichts – dazwischen kam eine kleine Patisserie mit viel Flair und einem verlockenden Kuchenangebot, an der ich einfach nicht vorbeigehen konnte: Das á table! Die winzige Eck-Location ist urig mit Schwarz-Weiss- und Sepia-Fotos geschmückt und was auch immer das für ein Kuchen war – er war ein Gedicht! Hm…oh, schade. Jetzt habe ich das Stück beim Schreiben schon aufgegessen! Na dann mal weiter!

A table: Kuchen!

Im á table kann ich meinen Kuchenhunger stillen!

Ein Ballsaal mit Café: Das Lotz-Terem

Huiuiui – ich bin überwältigt! Diese Zeilen schreibe ich geradewegs unter einem Himmel aus pompösen Fresken und detaillierten Malereien. Die Räumlichkeit des Lotz-Terem kann sich wirklich sehen lassen! Man sitzt hier inmitten eines Ballsaals, der durch etwas Glück in keinem Krieg zerstört wurde und genießt den Ausblick auf die beeindruckende Decke bei Kaffee, Kuchen oder Limonade, wie ich. Zwar sind die Preise hier lange nicht so moderat wie in den vorherigen Kaffeehäusern, die ich vorgestellt habe. Aber eine große Limonade für umgerechnet ca. 3 Euro konnte ich mir trotzdem noch leisten. Der Griff in den Geldbeutel hat sich ja für diesen Anblick auch schon gelohnt – auch wenn die Atmosphäre hier eher durch das Aufblitzen von Kameras als von interessanten Gesprächen bestimmt wird.

Decke im Lotz-Terem

Die Deckenverzierung des Lotz-Terem.

Mein Fazit zum Caféhopping in Budapest: Nix wie hin!

Caféhopping in Budapest lohnt sich DEFINITIV! Auch wenn das Wetter vor den Fenstern der Kaffeehäuser eher nicht so einladend ist – was ich Ende Februar aber auch erwartet hatte – , kann man hier einen Tag gut mit ungarischen Köstlichkeiten, viel Flair und Charme verbringen.

Kuchen

Endlich köstlicher Kuchen im á table.

Die Preise sind absolut vertretbar: Insgesamt habe ich nur ca. 10 Euro für alles gezahlt! Das lädt ein, sich ein bisschen zu verwöhnen. Außerdem sind alle Cafés, die ich euch vorgestellt habe, in Laufnähe zueinander, sodass ihr euch zwischendurch noch einige der Budapester Sehenswürdigkeiten in diesem Bezirk anschauen könnt: Die Synagoge und die Oper beispielsweise.