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Wenn man in Sachsen aufgewachsen ist, kann man sich nur wundern, wenn man bei einem Besuch der Sächsischen Schweiz, Menschen mit Kletterausrüstung begegnet, die kopfschüttelnd vor einem der über tausend Kletterfelsen stehen. Als Sachse ist man an die Situation im Elbsandsteingebirge gewöhnt und weiß, die erste Sicherung befindet sich nun einmal mindestens vier Meter über den Boden. Warum sollte dies auch anders sein? Nichtsachsen können darüber nur mit dem Kopf schütteln oder ein Buch schreiben mit dem Titel „Die spinnen, die Sachsen!“

Neben Miniaturausgaben der Dresdner Frauenkirche oder Tassen aus Meißner Porzellan, kann man aus dem Großraum Dresden auch noch andere Erinnerungen nach Hause mitbringen. Da wären zum Beispiel Reibungswunden, Bänderrisse, Platzwunden oder Knochenbrüche, die es gratis dazu gibt, wenn man nur einmal seinen Kletterkünsten im Elbsandstein nachgeht. Peter Brunnert kennt zu mindestens einen Teil dieser besonderen Mitbringsel. Seit 1975 ist er regelmäßiger Besucher im sächsischen Elbsandsteingebirge und kennt einen Großteil der hier ansässigen Klettergemeinschaft, die ihre Regeln mit eiserner Hand verteidigen.

Regeln, die anderen Profiklettern nur den kalten Schweiß auf die Stirn jagen. Dabei stellen die Regeln keine Schikane Nichtortsansässiger dar, sondern sollen in erste Linie den sächsischen Felsen vor Zerstörung schützen. Deswegen ist auch der Einsatz von Magnesia strengstens verboten und natürlich darf man auch keine weiteren Sicherungen in den Felsen jagen. Sichern darf man sich aber trotzdem, allerdings nur mit Seilen, die man entweder um den Felsen zu einer Schlinge legt oder aus diesen eine sogenannte Knotenschlinge bastelt, die wiederum in einem Felsspalt befestigt wird. Mit Friends oder Klemmkeilen haben diese Formen der Sicherungen nicht mehr viel gemeinsam und der Großteil der zugereisten Kletterer wundert sich aus gutem Grunde, wie so etwas halten kann.

Dass dies in den meisten Fällen auch nicht der Fall ist, darüber könnte Peter Geschichten schreiben und Bücher füllen. Sorry, er könnte nicht, er tat es. Insgesamt 20 Geschichten kramte Peter Brunnert aus seinem Gedächtnis hervor oder ließ sich diese von Dritten erzählen, um sie anschließend auf Papier zu bannen. Zum Glück kam bei keinen dieser Geschichten jemand dauerhaft ernsthaft zu Schaden, obwohl der Grad dazu des Öfteren sehr schmal war. Blut fließt dafür reichlich und dies nicht, weil man sich gegenseitig verletzen wollte, sondern weil der Fels nicht anders konnte. Die Geschichten von Peter sind deswegen auch immer mit einer ordentlichen Portion Humor gespickt, was manchmal glücklicherweise den stockenden Atem befreit, der einem ansonsten den Kopf blau anlaufen lassen würde.

Für Freunde der Kletterei ist dieses Buch eine klare Empfehlung. Für diejenigen die im Sächsischen klettern oder dies vorhaben, ein Muss. Es gibt wahrscheinlich derzeit kein besseres Buch, welches die Gefahren in diesem besonderen Klettergebiet besser beschreibt und anschaulich darstellt. Illustriert wurde das Buch zudem mit vielen schönen Kletterbildern aus dem Elbsandsteingebirge und weiteren Informationen zu dem Gebiet, in dem die Geschichten spielen. Wer zudem die Möglichkeit besitzt und Peter Brunnert bei einer Lesung begegnet, sollte sich diese auf jeden Fall anhören. Seine Geschichten bekommen durch ihn noch eine zusätzliche besondere Würze.

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Links: Webseite von Peter Brunnert, Hörprobe “Karsten besorgt’s einem Ring”