Der Sentiero ferrato Ivano Dibona ist einer der Steige, welche man teilweise als Klettersteig einstufen kann obwohl nur wenige Abschnitte diese Einstufung rechtfertigen. Trotzdem ist der Steig nicht zu unterschätzen, da er sich im hochalpinen Gelände über schmale Pfade der Gruppo del Cristallo entlang schlängelt. Wer allerdings Geschichte erleben will, der sollte sich diesen Steig nicht entgehen lassen, denn neben den typischen Bändern in den Dolomiten gibt es hier in dieser Höhe unzählige Kriegsbauten.

Der erste große Vorteil des Steigs ist, dass er im Verhältnis zu den anderen Kriegsanlagen in den Dolomiten kaum begangen wird. Trotzdem herrscht auf dem Steig reger Verkehr, der sich allerdings auch positiv äußern kann, doch dazu später. Wir starteten bei dieser Tour von der Bergstation in der Forcella Staunies. Um an diesen Punkt zu gelangen, erlebt man vorab schon das erste aufregende Abenteuer, indem man sich in Gondeln herauf kutschieren lässt, welche aus den tiefsten 60zigern stammen und wahrscheinlich bisher nicht ausgewechselt wurden. Dementsprechend pfeift es in den Gondeln auch durch die von Rost fabrizierten Ritzen. An der Bergstation angekommen hält man sich anschließend rechts und begibt sich zu einem Tunnel, welcher den Einstieg des Steigs kennzeichnet. Nach dieser Stelle erreicht man bereits die sagenumwobene Hängebrücke, Ponte Cristallo, die 27 Meter lang ist und im Film „Cliffhanger“ eine Rolle spielte.

Anschließend geht es im fröhlichen Abwärtsstieg erst einmal einige Höhenmeter nach unten. Bei dieser Strecke ist öfters ordentlich Armkraft von Nöten, da man an vielen Stellen Tritte nicht erkennen kann und diese erst mit dem Fuß ertasten muss. Konnte man jedoch das wohl schwierigste Stück überwinden ist der Rest nur noch Kür. Bei der ersten Querung angekommen, sieht man bereits die erste Kriegsbaute, welche sich in einem maroden Zustand befindet. Stetig bewegt man sich auf diese zu und staunt nur darüber, wie man es schaffte solch ein Gebäude hier oben zu errichten. Danach geht es munter über die Gipfel weiter. Immer wieder muss man sich aufgrund der vielen kleinen vermeintlichen Pfade neu orientieren und in solchen Momenten ist man dankbar für ein paar Mitstreiter, welche den Weg bereits kennen.

Weitere Kriegssteige & Kriegsanlagen in Europa

Ein weiteres Highlight sind die folgenden Bänder, die breit und alle größtenteils gut gesichert sind. Zwischendurch entdeckt man immer wieder kleine Bauten aus dem ersten Weltkrieg und gelangt zudem noch zu einem Gebäude, das heute noch als Wetterschutz dient. Auf dem Weg fragt man sich ständig wie wohl das Leben hier in Kriegszeiten war. Wahrscheinlich gab es unzählige Opfer alleine durch Abstürze, da das Gelände schon im schneefreien Zustand stellenweise arg gefährlich ist. Stellt man sich zusätzlich noch vor, dass auch im Winter hier oben gewacht werden musste, ist man nur froh darüber, dass einen das gleiche Schicksal nicht ereilte.

Nach knapp drei Stunden erreicht man ein Geröllfeld, von dem es abwärts geht. Über unzähliges Gestein, welches typisch für die Dolomiten ist und den anschließenden Grasnarben geht es wieder hinab ins Tal. Die ersten Bäume die einen willkommen heißen, sind der sichere Beweis, dass man sich wieder in lebender Natur befindet und die toten Felsen hinter sich gelassen hat. Nach knapp drei weiteren Stunden erreicht man letztendlich die Zwischenstation Som Forca, von der aus man hinab fährt oder einen erneuten Rundweg starten kann.

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Immer wieder entdeckt man Bauten aus dem ersten Weltkrieg.

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Teilweise befinden sich diese in einem miserablen Zustand. Doch manche werden auch heute noch für zivile Zwecke genutzt.

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Die Verirrungsgefahr ist in diesen Regionen sehr hoch. Doch manchmal weist einen, ein am Boden liegendes Hinweisschild den Weg.