Ein nasser kalter Regen peitscht mir ins Gesicht. Immer wieder versuche ich diesem unangenehmen Übel auszuweichen, indem ich mich so stelle, dass der Regen mein Gesicht nicht erwischt. Doch es hilft nichts. Der Regen scheint von allen Richtungen gleichzeitig auf mich einzuprasseln. Ich stehe mit rund 200 weiteren Menschen unter den letzten Ausläufern des Schutzdaches der Drei Zinnen Hütte. Das eigentliche Highlight in diesem Gebiet ist bereits seit mehreren Minuten hinter einer dicken Wolkendecke verschwunden, die „Drei Zinnen“.

Die Drei Zinnen

Die 3 Zinnen in den Dolomiten

Die 3 Zinnen in den Dolomiten

Gewaltig und einzigartig ragen die Gipfel der „Drei Zinnen“ in den Himmel. Man fühlt sich nicht nur klein sondern unendlich winzig, wenn man vor dem Massiv zum Stehen kommt. Ich beobachte die Unmengen an Menschen, welche sich den Weg von der Auronzohütte zur „Drei Zinnenhütte“ quälen. Täglich sollen knapp 2.000 Touristen die „Drei Zinnenhütte“ erreichen.

Hobbywanderer & Freizeitaktivisten

Der Großteil dieser Massen sind Hobbywanderer, die man leicht an ihrer Kleidung erkennt, Freizeitlook und den klassischen Strandlatschen. Ein paar Frauen versuchen den Weg sogar mit ihren Stöckelschuhen zu überwinden. Ihnen gebe ich keine Chance, dass Ziel zu erreichen. Zu diesem Zeitpunkt wissen wir alle noch nicht, dass in wenigen Stunden das Wetter umschlagen wird und ein heftiges Gewitter die Zinnen in eine gespenstische Wolkendecke einhüllen wird.

Der Innerkofler De Luca-Steig

Die Lavaredohütte bei den Drei Zinnen

Die Lavaredohütte bei den Drei Zinnen

Mein heutiges Ziel ist der Innerkofler De Luca-Steig, eine Wehranlage welche die Österreicher im ersten Weltkrieg in das Passportenkoffelmassiv sprengten. Während ich meinem Weg in Richtung des Eingangs zum Kriegssteig gehe, frage ich mich, was an dieser Stelle im ersten Weltkrieg geschehen ist. In meinen Gedanken höre ich das Widerhallen der  Soldatenschritte, die diesen Weg zu ihren Stellungen zurücklegen mussten. Als ich die Lavaredohütte erreiche, glaube ich die ehemalige italienische Linie überschritten zu haben. Ab hier dürfte das Land der österreichischen Alpinisten beginnen.

Der Kriegssteig im 1. Weltkrieg

Scheinwerfer auf den Drei Zinnen

Die Drei Zinnen vom Paternkofel

Die Drei Zinnen vom Paternkofel

Linker Hand von mir liegen jetzt die „Drei Zinnen“. Im ersten Weltkrieg sollen die Italiener auf die Spitze der Zinnen einen Scheinwerfer installiert haben, mit denen sie das Gebiet ableuchten konnten. Irgendwann kam einer der Generäle sogar auf die Idee, eine Kanone da oben zu installieren. Wie man das Teil dort hinauf brachte, kann man nur erahnen. Mir läuft bei dem Gedanken eine zusätzliche Portion Schweiß die Stirn hinunter.

Der Kriegssteig – eine Festung im Felsen

Das Passportenkofel und das Paternkoffel-Massiv

Das Passportenkofel und das Paternkoffel-Massiv

Der Kriegssteig ist eines der gewaltigsten Steiganlagen des ersten Weltkriegs. Ingesamt ziehen sich die Wehranlagen durch zwei Felsmassive, dem Passportenkofel und den Paternkoffel. Mehrere Stollen wurden von den Österreichern in das Massiv gesprengt und verbinden wichtige Beobachtungspunkte miteinander. Die so geschaffene Festung war für den Gegner nahezu uneinnehmbar, da man den Feind von hier aus bereits Stunden vor seinem eigentlichen Eintreffen erblickte.

Der Eingang zum Innerkofler De Luca-Steig

Der Eingang zum Innerkofler De Luca-Steig

Alleine der Winter bot Chancen, denn der Schnee ermöglichte den Gegnern Tunnel in den Schnee zu graben und somit unentdeckt an das Massiv zu erreichen. Überhaupt zählte bei der Eroberung der Felsstellungen in den Dolomiten vor allem der Überraschungseffekt.

Mehr Tote durch Naturereignisse als durch Kriegshandlungen

Querung am Innerkofler De Luca-Steig vom Passportenkofel zum Paternkoffel

Querung am Innerkofler De Luca-Steig vom Passportenkofel zum Paternkoffel

In den Kriegsjahren des ersten Weltkriegs, sind in diesem Gebiet mehr Soldaten durch Widerungsbedingungen und Naturereignisse gestorben, als durch die eigentlichen Kampfhandlungen. Im Winter waren Erfrierungen an der Tagesordnung. Ein Großteil der Toten holten sich die Lawinen, welche ständig von den Felsen in das Tal abgingen. Der Rest wurde im Sommer durch Steinschläge, Abstürze oder der einen oder anderen Kugel des Gegners dahingerafft.

Schmales Band am Innerkofler De Luca-Steig

Schmales Band am Innerkofler De Luca-Steig

Wie der Kriegssteig den Namen erhielt

Sepp Innerkofler & Piero de Luca erste Begegnung

Einer der Soldaten, die hier dienten hieß Sepp Innerkofler. Vor dem ersten Weltkrieg war er, sein Bruder und sein Vater erfahrene und bekannte Bergführer, weswegen das österreichische Militär an Sepp großes Interesse zeigte. Irgendwann zum Beginn des ersten Weltkriegs soll Sepp auf den Italiener Piero De Luca gestoßen sein. Da dieser sich in einer misslichen Situation in den Bergen befand, er hatte sich verstiegen und wusste nicht wie er wieder von den Felsen hinabsteigen konnte, eilte ihm Sepp zur Hilfe.

Außenweg am Innerkofler De Luca-Steig

Außenweg am Innerkofler De Luca-Steig

Schicksalhafte zweite Begegnung

Einige Zeit später trafen diese Beiden erneut aufeinander. Trotz der vergangenen  Rettungsaktion waren sie jetzt Feinde. Piero De Luca beschoss Sepp Innerkofler mit Steinen, da seine Waffe zu diesem Zeitpunkt nicht funktionierte. Anschließend soll sich Sepp bei einem Absturz so schwer wiegende Verletzungen zugezogen haben, dass er an diesen verstarb. Als Erinnerung an das Schicksal der beiden Soldaten, erhielt der Steig den Namen Innerkofler De Luca.

weitere interessante Kriegsanlagen in Europa

Der Kriegssteig heute

Abstieg vom Paternkofel zur Drei Zinnen Hütte

Abstieg vom Paternkofel zur Drei Zinnen Hütte

Die Begehung des Kriegssteigs ist nur mit einer ordentlichen Klettersteigausrüstung empfohlen, da viele der alten Wege nicht mehr vorhanden sind und man lange Strecken an Felswänden queren muss. Zudem sind Helm und Taschenlampe Pflicht, denn die Stollen sind teilweise sehr lang, nicht ausgeleuchtet und das Deckengestein ist spitz und scharfkantig. Des Öfteren stieß ich mit meinem Helm an die Decke und bereits diesen Zusammenstoß spürte ich sehr deutlich.

Alternativer Weg von der Drei Zinnenhütte

Stollen im Innerkofler De Luca-Steig

Stollen im Innerkofler De Luca-Steig

Wem die Kletterei in den Bergen nicht liegt, der kann einen Teil des Kriegssteigs am Paternkoffel besichtigen. Von der „Drei Zinnenhütte“ aus, führt ein kurzer Weg zum Eingang des Steigs. Auch wenn man hier auf Klettersteigausrüstung verzichten kann, ist es trotzdem notwendig sich mit einem Helm und einer Taschenlampe zu bewaffnen.

Die Drei Zinnen unter Wolken

Blitzeinschläge im Felsen

Die Drei Zinnen Hütte

Die Drei Zinnen Hütte

So langsam lichten sich die Wolken und der Regen scheint schwächer zu werden. Ich stehe in der Zwischenzeit durchnässt und leicht durchfroren hinter einer Materialhütte, die sich unweit der „Drei Zinnenhütte“ befindet. Vor wenigen Minuten wurde ich Zeuge eines weiteren gigantischen Naturereignisses. Ein Blitz schlug schräg in das Felsmassiv des Paternkoffels ein. Ich bin heilfroh, dass ich mich in diesem Moment nicht mehr da oben befand.

Alte Steinbehaussungen als Schutzunterkünfte

Stellungen aus dem 1. Weltrkieg am Innerkofler De Luca-Steig

Stellungen aus dem 1. Weltrkieg am Innerkofler De Luca-Steig

Ich denke an die vielen anderen Menschen, welche sicherlich Schutz in einen der Steinbehausungen gesucht haben und hoffe, dass durch diesen Blitzeinschlag keiner der Kletterer zu Schaden gekommen ist. Das Massiv der „Der Zinnen“ ist bereits schemenhaft wieder zu erkennen. Der Regen hat aufgehört Es wird Zeit für den Rückweg. Wer weiß wie lange das Wetter hier oben so bleibt, bevor ein weiterer Wolkenbruch das Gebiet erneut erobert.

Weitere interessante Klettersteige in der Nähe der 3 Zinnen

Klettersteige bei den drei Zinnen (Drei Zinnen Klettersteig)

Bei den Drei Zinnen gibt es zwei Klettersteige und einen Kriegssteig. Über den Kriegssteig, den Innerkofler De Luca-Steig, habe ich schon jede Menge berichtet. Ich möchte deswegen als Ergänzung noch ein paar Infos zu den beiden Klettersteigen geben.

Klettersteig auf den Paternkofel

Einstieg zum Klettersteig am Paternkoffel

Einstieg zum Klettersteig am Paternkoffel

Direkt am Innerkofler De Luca-Steig, cirka in der Mitte des Steigs zweigt ein Klettersteig auf den Paternkofel ab. Als ich den Klettersteig begehen wollte, war dieser hoffnungslos überlaufen. Man musste sich förmlich anstellen, wenn man auf den Paternkofel hinauf wollte.

Warteschlange am Klettersteig auf dem Paternkofel

Warteschlange am Klettersteig auf dem Paternkofel

Der “Stau” an dem Klettersteig wurde zudem noch weiter dadurch verstärkt, da der Hinweg auch gleichzeitig der Rückweg ist. Ich kann deswegen nur empfehlen auf den Klettersteig sehr zeitig einzusteigen oder viel Zeit und Geduld mitzubringen.

Toblinger Knoten

Klettersteig Toblinger Knoten mit Blick zu den 3 Zinnen

Klettersteig Toblinger Knoten mit Blick zu den 3 Zinnen

Ebenfalls unweit von der Drei Zinnen Hütte entfernt, aber gegenüber des Paternkofel, gibt es noch einen weiteren Klettersteig auf den Toblinger Knoten. Der Klettersteig ist im eigentlichen Sinne ein Leiternsteig, der aber sehr viel Freude bereitet. Anfänger können sich an diesem Klettersteig schön ausprobieren.

Klettersteig Toblinger Knoten

Klettersteig Toblinger Knoten

Bei meiner Tour war der Klettersteig zudem nicht so überlaufen, wie der Klettersteig auf den Paternkofel.  Dafür begegneten wir deutschen Gebirgsjägern, welche den Klettersteig als Übungssteig nutzten. Einige der Jungs kamen dabei ganz schön ins Schwitzen.